48 Stunden. Ein toter zwölfjähriger Junge. Im vergangenen Januar wurden vier Menschen entlang der Ostküste Australiens von Haien gebissen. Die Sequenz war zwar brutal, aber nicht zufällig. Am Tag vor Beginn des Blutvergießens kam es zu rekordverdächtigen Regenfällen. Der Klimawandel lässt nicht nur Eis schmelzen, er verändert auch, wer wen beißt, wenn sich der Himmel öffnet.
Charlie Huveneers, der an der Flinders University Meeresforschung leitet, gibt zu, dass wir nicht jedes Detail dieses Januar-Clusters einer Ursache zuordnen können, aber er ignoriert das Wasser nicht. Er vermutet, dass der Regen die Haie zu einem bestimmten, tödlichen Zeitpunkt konzentrierte.
So klappt die Falle zu:
– Eine Sintflut bricht herein. In Sydney wurden tägliche Niederschlagsrekorde gebrochen.
– Abwasser und Abfall werden von der Straße in die Brandung gespült.
– Köderfische riechen das Futter, sie schwärmen aus.
– Haie folgen dem Fest. Näher am Ufer.
Es ist ein schmutziger Kreislauf. Ältere Studien deuten darauf hin, dass vor allem Tigerhaie nach großen Regenfällen auftauchen. Dann ist da noch der Schlamm. Sedimente wirbeln auf, Wasser wird trüb. Haie können im Nebel nicht gut sehen, was sie ungeschickt in der Nähe von Menschen macht, was sie zu leichten Zielen macht.
Die Sommerhitze heizte das Feuer zusätzlich an. Die Einheimischen suchten nach Abkühlung im Bad. Bullenhaie – die mutmaßlichen Übeltäter dort – sind in den warmen Monaten bereits aktiver. Huveneers weist auf die düstere Rechnung hin, es laufe eigentlich nur auf die Überschneidung zwischen Menschen und Raubtieren hinaus.
Was passiert also, wenn dies zur Norm wird?
John Nielsen-Gammon von Texas A&M sieht die Zeichen der Zeit. Wärmere Luft enthält mehr Wasser. Mehr Wasser bedeutet stärkere Stürme. Schwere Stürme führen zu mehr Abfluss ins Meer. Es ist eine unkomplizierte Kette, abgesehen von den Haien, die komplizierte Tiere sind.
Catherine Macdonald von der University of Miami warnt davor, dass wir immer noch überraschend wenig darüber wissen, was einen Hai tatsächlich zum Schnappen bringt. Der Klimawandel bewegt ihre Teller, ja. Steigende Temperaturen verändern die Migrationsrouten. In einer Studie aus dem Jahr 2022 wurde beobachtet, wie Tigerhaie entlang der US-Küste nach Norden kriechen, aber nicht alle sind sich über die Richtung einig. Einige fliehen möglicherweise vor wärmenden Küsten, während andere sich vorbeugen. Und frisches Regenwasser senkt den Salzgehalt und vertreibt einige Arten, selbst wenn andere näher kommen.
Wer weiß, wie das Gleichgewicht kippt?
Die Variablen unter unseren Füßen verändern sich ständig.
Vielleicht passen sich die Haie schneller an, als wir erwarten.
