Neandertaler waren keine Geister. Sie waren aus Fleisch und Blut und wandelten direkt an der Seite unserer Vorfahren auf der Erde. Seit Tausenden von Jahren. Sie haben sich sogar mit uns im Bett vermischt, was erklärt, warum die meisten von uns auch heute noch Teile ihrer DNA in sich tragen.
Aber dieser genetische Händedruck lässt die eigentlichen Fragen unberührt. Worüber sprachen sie? Was haben sie gemacht, als die Jagd aufgehört hat?
Eine neue Studie in PNAS geht davon aus, dass sie kulturell viele Gemeinsamkeiten gehabt haben könnten. Speziell.
Der Höhlenbeweis
Der Fundort ist Üçağızlı II, eine Höhle im heutigen Türkiye. Die Zeitleiste ist unklar, aber aussagekräftig. Neandertaler besaßen den Pachtvertrag vor etwa 77.000 bis 59.000 Jahren. Moderne Menschen zogen später ein und blieben dort bis vor etwa 47.000 Jahren. Die Autoren der Studie unter der Leitung von İsmail Baykara von der Gaziantep-Universität behaupten nicht, dass sich diese Gruppen im Staub persönlich trafen. Das müssen sie nicht.
Die Schichten in der Höhle sind getrennt. Die Knochen stammen aus verschiedenen Epochen. Aber die Werkzeuge? Die Jagdtaktik? Der Lebensstil?
Verblüffend ähnlich.
Mehr als nur Überleben
Baykara nennt es eine der „größten Überraschungen“ in den Daten. Es geht nicht um Feuersteinmesser oder Speerspitzen. Es geht um Muscheln.
Winzige, spiralförmige Dinger. Columbella Rustica, eine Mittelmeermolluske. Beide Gruppen – Neandertaler und Homo sapiens – gaben sich alle Mühe, diese speziellen Muscheln zu sammeln. Warum?
Es gab viele andere Muschelarten in der Nähe. Leichter zu fangen? Reichlicher? Spielt keine Rolle. Sie wählten die Kleinen.
Zwingt uns dazu, die Natur kultureller Barrieren, vielleicht sogar Intelligenzgrenzen, zwischen verschiedenen menschlichen Gruppen in der Levante zu überdenken.
Zuvor wurde diese Art der Muscheljagd als „nur modernes Menschenmerkmal“ bezeichnet. Ein Zeichen symbolischen Denkens. Ein Zeichen für etwas Besonderes.
Vielleicht.
Die Studie legt nahe, dass diese Verhaltensweisen nicht mehr exklusiv sind. Vielleicht verspürten beide Gruppen unter dem Druck, einfach am Leben zu bleiben, immer noch den Drang, zu dekorieren. Aus dem Schlamm und der Küste einen Sinn machen.
Bedeutet das, dass wir sie kopiert haben? Haben sie uns kopiert? Oder war es nur… was Menschen tun, wenn sie freie Hände haben?
Wir werden es vielleicht nie genau wissen. Aber die Stille der Höhlen schreit nicht mehr nach Leere. Es summt vor gemeinsamen Gewohnheiten.
Das wirft eine Frage auf, die wir noch nicht vollständig beantwortet haben. Was haben wir sonst noch die ganze Zeit vermisst? 🐚




















