Kosmische Kollision: Es gibt Hinweise darauf, wie supermassereiche Schwarze Löcher wachsen

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Seit Jahrzehnten beschäftigen sich Astrophysiker mit einem mathematischen Paradoxon: Supermassereiche Schwarze Löcher sind nach unserem aktuellen Verständnis der Physik einfach zu groß, um zu existieren. Standardmodellen zufolge dauert der Prozess der „Gasakkretion“, bei dem ein Schwarzes Loch umgebende Materie anzieht, um zu wachsen, viel länger, als das Alter des Universums es diesen Giganten erlaubt, ihre gewaltigen Ausmaße zu erreichen.

Um dieses Rätsel zu lösen, schlagen Wissenschaftler seit langem eine „Verschmelzungstheorie“ vor: Supermassereiche Schwarze Löcher wachsen, indem sie bei galaktischen Verschmelzungen miteinander kollidieren. Nun liefert eine bahnbrechende Studie den ersten direkten Beweis dafür, dass dieser Prozess tatsächlich stattfindet.

Das Geheimnis von Markarian 501

Im Mittelpunkt der Entdeckung steht Markarian 501 (Mrk 501), eine elliptische Galaxie im Sternbild Herkules. Wie viele aktive Galaxien verfügt Mrk 501 über einen starken Strahl aufgeladener Teilchen, der mit nahezu Lichtgeschwindigkeit aus seinem Zentrum ausgestoßen wird. Da dieser Strahl direkt auf die Erde gerichtet ist, dient er den Astronomen als gut sichtbares Leuchtfeuer.

Anhand von Radiofrequenzdaten, die über einen riesigen Beobachtungszeitraum von 23 Jahren gesammelt wurden, bemerkten Forscher des deutschen Max-Planck-Instituts für Radioastronomie etwas Unmögliches: Die Galaxie schien zwei Jets statt einem zu haben.

Auf der Spur eines himmlischen Tanzes

Die Forscher sahen nicht nur einen zweiten Jet; Sie sahen zu, wie es sich bewegte. Durch die Analyse der Daten beobachteten sie einen komplexen Orbitaltanz:

  • Orbitalbewegung: Der zweite Strahl schien sich gegen den Uhrzeigersinn um den ersten zu bewegen.
  • Gravitationslinseneffekt: Im Juni 2022 schien die Strahlung des zweiten Jets in eine kreisförmige Form verzerrt zu sein, die als Einstein-Ring bekannt ist. Dies geschieht, wenn die Schwerkraft des ersten Schwarzen Lochs das Licht des zweiten beugt und wie eine kosmische Lupe wirkt.
  • Die Umlaufzeit: Basierend auf sich wiederholenden Helligkeitszyklen schätzen Astronomen, dass die beiden Schwarzen Löcher einander alle 121 Tage umkreisen.

„Wir haben so lange danach gesucht, und dann war es völlig überraschend, dass wir nicht nur einen zweiten Jet sehen, sondern sogar seine Bewegung verfolgen konnten“, bemerkte Studienkoautorin Silke Britzen.

Eine gewaltige Fusion steht bevor

Während der Abstand zwischen den beiden Schwarzen Löchern – etwa das 250- bis 540-fache des Abstands zwischen der Erde und der Sonne – riesig klingen mag, ist er im kosmischen Maßstab unglaublich gering. Diese Objekte besitzen Massen von 100 Millionen bis 1 Milliarde Sonnenmassen.

Bei dieser Nähe befinden sich die beiden Giganten auf Kollisionskurs. Wissenschaftler schätzen, dass sie innerhalb des nächsten Jahrhunderts verschmelzen könnten.

Warum das wichtig ist

Dieser Befund liefert einen entscheidenden Teil des Puzzles zum Verständnis der galaktischen Entwicklung. Wenn supermassive Schwarze Löcher hauptsächlich durch diese heftigen Verschmelzungen und nicht durch langsame Akkretion wachsen, verändert das unser gesamtes Modell der Entstehung und Reifung von Galaxien.

Während die tatsächliche Verschmelzung 440 Millionen Lichtjahre entfernt stattfinden wird – weit außerhalb der Reichweite direkter menschlicher Beobachtung –, wird das Ereignis wahrscheinlich Wellen durch die Raumzeit senden. Wenn sie sich nähern, sollte das Paar extrem niederfrequente Gravitationswellen aussenden, die zukünftige Observatorien möglicherweise entdecken und den endgültigen Beweis für diese kosmische Vereinigung liefern.


Schlussfolgerung: Die Beobachtung von Doppeljets in Markarian 501 liefert überzeugende Beweise dafür, dass supermassereiche Schwarze Löcher durch Verschmelzungen wachsen und möglicherweise ein seit langem bestehendes mathematisches Rätsel hinsichtlich ihrer immensen Größe lösen.

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