Seit Jahrtausenden leben Menschen mit Pferden zusammen, doch die Wissenschaft hinter ihrem charakteristischen Wiehern blieb ein Rätsel. Forscher haben nun genau herausgefunden, wie diese großen Tiere ihre ungewöhnlich hohen Rufe erzeugen – eine Kombination aus Stimmlippenvibrationen und einem überraschenden anatomischen Merkmal: einem Kehlkopfpfiff.
Das Rätsel der Biphonation
Pferdewiehern sind nicht nur laut; sie sind komplex. Sie enthalten sowohl niedrige als auch hohe Frequenzen, was angesichts der Größe des Tieres merkwürdig ist. Während die niederfrequenten Geräusche mit dem übereinstimmen, was man von einem großen Säugetier erwartet, lässt sich die hochfrequente Komponente nicht erklären. Wissenschaftler nannten dieses Phänomen „Biphonation“ – die Überlappung zweier unterschiedlicher Tonhöhen.
Um dies zu klären, führte ein Team um die Biologin Elodie Floriane Mandel-Briefer von der Universität Kopenhagen eine interdisziplinäre Studie durch. Sie testeten die Kehlköpfe von Pferden (die ethisch vertretbar von einem Fleischlieferanten bezogen wurden), indem sie Luft durch sie hindurch pressten. Zunächst wurde nur die niedrige Komponente erzeugt, doch durch Experimente wurde schließlich das hochfrequente Pfeifen entdeckt.
Der Kehlkopfpfeifmechanismus
Der Schlüssel liegt im Kehlkopf selbst. Das Blasen von Luft durch den Kehlkopf mit Helium bestätigte, dass die hohe Frequenz durch einen Pfiff im Kehlkopf erzeugt wird und nicht wie beim menschlichen Pfeifen von den Lippen. Da Helium die Pfeiffrequenzen verändert, während Gewebevibrationen dies nicht tun, bewies dies den Mechanismus. Pferde kombinieren auf einzigartige Weise Stimmlippenvibrationen (die niedrige Frequenz) mit diesem Kehlkopfpfeifen, um eine Biphonation zu erzeugen.
Warum auf diese Weise wiehern?
Dabei geht es nicht nur um die Tonproduktion; es geht um Kommunikation. Untersuchungen deuten darauf hin, dass Pferde wahrscheinlich die Biphonation entwickelt haben, um mehr Informationen auf einmal zu übertragen. Der hochfrequente Anteil vermittelt emotionale Inhalte (angenehm oder unangenehm), während der niederfrequente Anteil Intensität signalisiert. Die hohe Komponente breitet sich auch weiter aus, wodurch das Wiehern über größere Entfernungen wirksam wird.
Interessanterweise nutzen auch nahe Verwandte wie Przewalski-Pferde die Biphonation, entfernteren Verwandten wie Zebras und Eseln fehlt jedoch die Hochfrequenzkomponente. Dies deutet darauf hin, dass Pferde einzigartige Stimmanpassungen entwickelt haben, die ein größeres Kommunikationsspektrum ermöglichen als andere Equiden.
Implikationen für das Verständnis der Tierkognition
Zu verstehen, wie Pferde kommunizieren, ist über die Akustik hinaus wertvoll. Es beleuchtet ihre Wahrnehmung, ihre Emotionen und ihr allgemeines Wohlbefinden. Mandel-Briefer kommt zu dem Schluss: „Das Papier unterstreicht die bemerkenswerte adaptive Flexibilität des Kehlkopf-Stimmproduktionssystems von Säugetieren.“ Diese Entdeckung vertieft unser Verständnis der Kommunikationssysteme von Tieren und bietet neue Einblicke in die komplexe Welt des Pferdeverhaltens.




















