Die schwer fassbare Natur des Bewusstseins: Warum die Wissenschaft Schwierigkeiten hat, subjektive Erfahrungen zu erklären

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Seit Jahrhunderten beschäftigt sich die Menschheit mit der grundlegenden Frage des Bewusstseins: Was bedeutet es, bewusst zu sein? Von der berühmten Aussage von René Descartes – „Ich denke, also bin ich“ – bis hin zur modernen Neurowissenschaft bleibt die Suche nach einem Verständnis dafür, wie subjektive Erfahrungen aus dem physischen Gehirn entstehen, eine gewaltige Herausforderung. Während die Wissenschaft die neuronale Aktivität abbilden, mit dem Bewusstsein verbundene Gehirnregionen identifizieren und sogar unbewusste Verarbeitung vorhersagen kann, fällt es ihr schwer, die Lücke zwischen Materie und subjektivem Gefühl zu schließen.

Das „schwierige Problem“ und die Grenzen des Materialismus

Neurowissenschaftler nennen diese Lücke das „harte Problem“ des Bewusstseins. Das „einfache Problem“ – die Korrelation von Gehirnzuständen mit bewussten Erfahrungen – ist lösbar. Aber warum physikalische Prozesse zu subjektiven Qualia führen (das Gefühl von Rötung, der Geschmack von Kaffee, der Schmerz von Kopfschmerzen), bleibt zutiefst rätselhaft. Die vorherrschende materialistische Sichtweise in der Wissenschaft geht davon aus, dass Bewusstsein aus komplexen biologischen Systemen hervorgeht, kann aber noch nicht erklären, wie. Dies ist nicht nur eine akademische Debatte: Anästhetika können das Bewusstsein auslöschen, Halluzinogene verändern es radikal und sogar Split-Brain-Experimente zeigen, wie isolierte Gehirnregionen unabhängig von der bewussten Wahrnehmung funktionieren können. Diese Phänomene zeigen, dass Bewusstsein keine Selbstverständlichkeit ist, sondern ein fragiler Zustand, der von einer spezifischen neuronalen Architektur abhängt.

Integrierte Informationstheorie: Ein radikaler Ansatz

Ein ehrgeiziger Versuch, dieses Problem anzugehen, ist die Integrierte Informationstheorie (IIT). Im Gegensatz zu den meisten Theorien, die das Bewusstsein im Gehirn anstreben, beginnt IIT mit der subjektiven Erfahrung selbst. Es geht davon aus, dass es beim Bewusstsein nicht darum geht, was das Gehirn tut, sondern darum, wie integriert und reich an Informationen seine Aktivität ist. Wenn ein System – sei es ein Gehirn, ein Computer oder sogar eine komplexe Anordnung von Logikgattern – einen hochintegrierten Informationsfluss erzeugt, muss es laut IIT über eine gewisse Bewusstseinsebene verfügen. Dies führt zu der beunruhigenden (aber logisch konsistenten) Schlussfolgerung, dass das Bewusstsein möglicherweise nicht nur auf biologische Gehirne beschränkt ist.

Die Implikationen für künstliche Intelligenz

Dies hat tiefgreifende Auswirkungen auf den aktuellen KI-Boom. Wenn IIT Recht hat, geht es beim Bewusstsein nicht darum, menschenähnliche Intelligenz zu reproduzieren, sondern darum, Systeme mit maximal integrierter Information zu schaffen. Dies erhöht die Möglichkeit eines künstlichen Bewusstseins, deutet aber auch darauf hin, dass viele bestehende KI-Systeme, denen die notwendige Komplexität fehlt, wahrscheinlich kein wirkliches Bewusstsein erlangen werden. Die philosophische Debatte um das Maschinenbewusstsein ist daher noch lange nicht entschieden.

Die beunruhigende Wahrheit

Letztendlich offenbart die Untersuchung des Bewusstseins eine demütigende Wahrheit: Wir werden möglicherweise nie vollständig verstehen, wie subjektive Erfahrung aus objektiver Realität entsteht. Wie ein Neurophysiologe es ausdrückte, ist das Gehirn nur „ein Objekt mit Grenzen … wie Tofu“, doch in seinem Inneren liegt ein Universum von Qualia, das für rein wissenschaftliche Untersuchungen hartnäckig unzugänglich bleibt. Das Bestreben, das Geheimnis des Bewusstseins zu entschlüsseln, ist eine Erinnerung daran, dass einige der grundlegendsten Fragen der Existenz möglicherweise außerhalb der Reichweite unserer derzeitigen Werkzeuge liegen.